Publikationen

Die Versorgung von Patienten steht bei uns im Mittelpunkt.

Medizin lebt aber auch vom Austausch neuer Erkenntnisse, spannende Fälle interessieren auch andere Kollegen und das, was Novo anders macht, was wir versuchen im Bereich "sexuelle Gesundheit" selbstverständlich zu machen, soll nicht nur bei uns passieren.

Deshalb sind wir aktiv in der Weiterbildung von Kollegen und medizinischen Fachkräften im Bereich sexuelle Gesundheit und publizieren auch regelmäßig wissenschaftliche Beiträge zu diesem Thema.

Haben wir Euer Interesse geweckt ? Hier findet ihr ein paar Beispiele unserer Arbeit:

 

 

DÖAK 2019: S.Schellberg: Neue Freiheit - neue Erreger ESBL Zystitis in einem MSM unter PrEP

 

 

Zusammenfassung:

Die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe mit TDF/FTC ist als neues Präventionsinstrument in der Realität der deutschen Gesundheitsversorgung angekommen. Günstige, legale  Bezugsmöglichkeiten, die Veröffentlichung von Leitlinien und die Diskussion um die Erstattung der PrEP durch die GKV sowie fallende HIV-Infektionsraten in Modellprojekten sorgen für eine deutlich steigende Akzeptanz der PrEP gerade unter Männern, die Sex mit Männern haben.

Während die Diskussion um die Auswirkungen der PrEP zunächst auf eine Reduktion auch anderer STI durch vermehrte Testung hinwiesen, zeigen neuere Daten und auch die klinische Realität eine deutlich Zunahme anderer Infektionen, wie Chlamydien, Gonokokken, Mykoplasmen oder die Syphilis. Eine verringerte Bereitschaft und auch ein hoher sozialer Druck innerhalb der Gruppe der MSM, auf Kondome zu verzichten, leisten hier sicher einen wesentlichen Beitrag.

Zystitiden zählen bei jungen Männern aus anatomischen Gründen im Gegensatz zu Frauen eher zu den seltenen Erkrankungen. Die Infektion mit Fäkalkeimen durch ungeschützten insertiven Analverkehr zählt jedoch zu den mit gewisser Regelmäßigkeit beschriebenen Krankheitsbildern.

Wir beschreiben den eher ungewöhnlichen Fall und klinischen Verlauf eines jungen, sexuell aktiven MSM unter HIV-PrEP bei dem es zu einer Zystitis mit ESBL-produzierenden E.coli in Kombination mit einer Gonokokken-Urethritis gekommen ist. Der ungewöhnliche Verlauf und die Tatsache der schwierigen Diagnostik und Therapie durch mehrere involvierte Behandler unterstreichen die Notwendigkeit einer ärztlich überwachten PrEP durch erfahrene HIV-Behandler.

Der verminderte Gebrauch von Kondomen unter MSM unter HIV-PrEP erweitert das Spektrum möglicher Infektionen mit STI auch um bisher eher selten anzutreffende Erreger mit z.T. schwieriger Resistenzlage. Regelmäßiges Screening und das Bewußtsein für sexuelle Praktiken und mögliche Übertragungswege sind notwendig, um komplexe Krankheitsverläufe zu verhindern und die positiven Präventionsaspekte der HIV-PreP nicht zu gefährden

Zitierung: Schellberg S: Neue Freiheit - Neue Erreger ESBL Zystitis in einem MSM unter PrEP. DÖAK 2019 Poster PW139

Originalposter DÖAK

 

 

DÖAK 2019: Schellberg S., Kuschel A., Wicke T., Schröter M.: Lymphogranuloma venereum - Bedeutung als Erreger sexuell übertragbarer Proktitiden bei MSM

 

 

Zusammenfassung:

Chlamydia trachomatis gehört zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Erkrankungen. Neben N. gonorrhoeae und Mykoplasma genitalium verursacht diese Erregergruppe am häufigsten die typischen Symptome sexuell übertragbarer Infektionen, wie Urethritis, Vaginitis, Proktitis oder Pharyngitis.

Chlamydia trachomatis existiert in unterschiedlichen Serotypen, die unterschiedliche Symptomatiken auslösen können. Die Serotypen A-C verursachen das Trachom, eine in den Tropen verbreitete chronisch rezidivierende Erkrankung der Bindehäute und Hornhäute des Auges. Die Serotypen D-K verursachen sexuell übertragbare urogenitale Infektionen, die Serotypen L1, L2 und L3 verursachen das Lymphogranuloma venereum, eine sexuell übertragbare Infektion, die in der Literatur vorwiegend als in den Tropen vorkommend beschrieben wird.

In unserer klinischen Tätigkeit befassen wir uns insbesondere mit Diagnostik und Therapie infektiöser Erkrankungen bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben. Die Erfolge im Bereich der antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion sowie die Einführung der antiretroviralen HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) und die damit einhergehende Veränderung in Bezug auf die Verwendung von Kondomen führt in unserer Praxis trotz umfassender Beratung zu einem deutlichen Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen.

Hierbei zeigt sich nicht nur ein numerischer Anstieg, auffällig wurde hier klinisch ein erheblicher Anteil schwerer, durch die Serovare L1-L3 ausgelöste Proktitiden, die sich durch eine massive ulzeröse Proktitis mit schleimigem oder blutigem Ausfluss, Tenesmen und Fieber bis hin zu perirektalen Abszessen auszeichnen.

Eine aktuelle Auswertung der von uns seit 2018 durchgeführten analen PCR-Abstriche (n=786) belegt hier mit einer positiven C.trachomatis Detektionsrate von 11 % (n=78) den klinischen Eindruck. Auffällig ist hier eine Rate von 29 % (n=25) LGV-positiver Befunde. Diese hohe Rate ist nicht nur wissenschaftlich-epidemiologisch interessant, sondern hat aufgrund der notwendigen langen Therapiedauer auch praktische Bedeutung für die betroffenen Patienten. Ein regelmäßiges Screening von Patienten mit entsprechender sexueller Aktivität, sowie die Differenzierung der Serovare L1-L3 bei positiven rektalen Chlamydienbefunden ist angesichts der genannten Infektionsraten klinisch von erheblicher Relevan

Zitierung: Schellberg S., Kuschel A., Wicke T., Schröter M.: Lymphogranuloma venereum - Bedeutung als Erreger sexuell übertragbarer Proktitiden bei MSM. DÖAK 2019 Poster PW66

Originalposter DÖAK

 

 

Aktuelle Dermatologie: S.Schellberg: Neuentwicklungen in der Venerologie – Update zur sexuellen Gesundheit

 

Zusammenfassung:

Sexuell übertragbare Erkrankungen zählen seit Existenz der Menschheit zum Spektrum der häufig zu beobachtenden Krankheitsbilder. Erkrankungen wie die Syphilis haben unsere Kultur teils erstaunlich geprägt und die Folgen dieser Erkrankung reichen von zahlreichen Einzelschicksalen bekannter Künstler bis zur Krawatte als typischem männlichen Kleidungsstück, dessen Einführung der Kaschierung typischer kutaner Syphiliseffloreszenzen zu verdanken ist.

Behandlungen waren häufig heroisch und auch vor der Anwendung toxischer Verbindungen wie Arsen oder Quecksilber wurde nicht zurückgeschreckt. Sexuell übertragbare Erkrankungen zählen aber auch heute noch zu den stigmatisierenden und mit falscher Moral belasteten Krankheitsbildern. Die Dunkelziffer ist hoch. Krankheitsverläufe sind z. T. dramatisch lang, ohne dass ein sexueller Zusammenhang der geklagten Beschwerden auch nur eruiert worden wäre.

Neue Möglichkeiten digitaler Partnersuche, eine deutliche Reduktion der durch die HIV-Epidemie empfundenen Bedrohung durch moderne Behandlungs- und Präventionsstrategien und gesellschaftliche Veränderungen von Mobilität und Verfügbarkeit, verbunden mit dem Gebrauch neuer synthetischer Substanzen im sexuellen Kontext führen gerade zu einer deutlichen Veränderung des Spektrums sexuell übertragbarer Erkrankungen und stellen den Behandler vor neue Herausforderungen. Einige dieser neuen Aspekte sollen hier diskutiert werden.

Zitierung: DOI 10.1055/a-0784-9094 - Akt Dermatol 2019; 45: 160–166

Originalartikel Aktuelle Dermatologie

 

 

Spektrum der Virologie: Sven Schellberg: Lust auf Drogen – oder „Wie spricht man mit Patienten über Drogen“?

 

Zusammenfassung:

Der Gebrauch unterschiedlichster psychoaktiver Substanzen gehört seit Anbeginn zurn Geschichte der Menschheit. Kaum eine Kultur, in der sich nicht der Gebrauch von Substanzen findet – sei es zu rituellen Zwecken, zur Linderung von Beschwerden oder schlichtweg zur Erzeugung von Lust, Extase oder Entspannung. Alkohol, berauschende Kräuter oder Blätter, Halluzinogene aus Früchten oder Rinden oder der Gebrauch tierischer Gifte – jede Kultur fand Möglichkeiten, die entsprechenden Belohnungszentren unseres Gehirns zu stimulieren. Aber auch bei anderen Säugetieren ist der Gebrauch von Substanzen bekannt, Geschichten betrunkener Gänse oder berauschter Primaten erinnern uns an unsere gemeinsame Geschichte und dopaminerge Hirnstrukturen, von deren Einfluss wir uns nicht befreien können – oder es auch gar nicht wollen.

Zitierung: Spektrum der Virologie · 13. Jahrgang · Nr. 2/2018

Originalartikel Spektrum der Virologie